Parteien zum Vollgeld

Die Monetative hat dankenswerterweise Abgeordnete einiger Parteien zu ihrer Position zum Thema Vollgeld befragt und die erhaltenen Reaktionen zusammengefasst. Diese Zusammenfassung wird im Folgenden zitiert, mit Links versehen und kommentiert.

Es geht hier weder um eine Erklärung des Begriffes Vollgeld noch um eine umfassende Begründung der Notwendigkeit einer Vollgeldreform. Hierfür seien folgende Seiten empfohlen:

http://www.monetative.de
http://www.occupymoney.de
http://www.positivemoney.org (englisch, UK)
http://internationalmoneyreform.org (englisch, international)

___________Piraten

Die Piraten haben bei ihrer Programmdiskussion (meines Wissens als einzige Partei) über den Vollgeld-Vorschlag diskutiert, konnten sich aber nicht zu einer Programm-Empfehlung durchringen.  Ein Kandidat (Wiesendahl) plädiert für öffentliche Geldschöpfung, würde aber gerne auch Alternativ-/Komplementärwährungen zulassen. Ein Kandidat (Lüdtke-Reißmann) hält Vollgeld für eine  Verstaatlichung des Bankensektors und lehnt es deshalb ab. Wichtiger ist für ihn die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE).

Erfreulich, dass die Piraten nicht — wie die ‘Volksparteien’ —  vor dem Status quo des Geldsystems kapitulieren, vielmehr eine AG Geldordnung und Finanzpolitik (@GeldsystemPirat) haben, deren “Hauptanliegen […] zuallererst in einer neutralen und sachlichen Analyse und Darstellung des gegenwärtigen Geldsystems” besteht. Alle Achtung.

Lüdtke-Reißmann (@Jan_LR) irrt jedoch wenn er behauptet, Vollgeld impliziere die “Verstaatlichung des Bankensektors”. Lediglich die Geldschöpfung würde verstaatlicht. Der Bankensektor müsste sein Geschäftsmodell umstellen: Er wäre dann Mittler zwischen Sparern und Kreditnehmern — ohne das Privileg, durch Kreditvergabe Geld zu schöpfen. Dieses Geschäftsmodell ist sicherlich weniger lukrativ, eine Verstaatlichung findet aber nicht statt.

Die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens ist in der Tat ein sinnvolles Ziel, unter den Bedingungen des Mindestreserve-Geldsystems jedoch nicht finanzierbar. Gegenwärtig zahlen wir für gnädigste Bereitstellung von über 90% unseres Tauschmittels laufend Zinsen an private Banken. Dies gibt uns die Wahl zwischen: (1) Brav iTrash, 3D-Fernseher und Pressspanmöbel auf Pump zu kaufen, und in asymmetrischen Handelsbeziehungen Geld aus anderen Ländern ab zu schöpfen um trotz stagnierender Bevölkerungszahl und endlicher Rohstoffvorräte der künstlichen Notwendigkeit permanenten Wirtschaftswachstums hinterher zu laufen oder (2) kein Geld zur Zahlung der exponentiell steigenden Zinslast zu haben, was uns wiederum zu (1) zwingt, da dies der ganze Grund für die Notwendigkeit von Wachstum ist. So bleibt kein Spielraum für Lebensqualität, die Sachzwänge haben uns ebenso fest im Griff wie die ‘Troika’ Griechenland.

 

___________AfD

In der AfD gibt es ganz unterschiedliche Meinungen, ein Kandidat ist für Geldschöpfung durch die Banken (Ermer), einer (König) sieht im derzeitigen Zustand, der „totgeschwiegen“ werde, ein Problem, plädiert aber für die Konkurrenz von privaten Währungen (gemäß  F. A. Hayeks Buch „Entnationalisierung des Geldes“), allerdings mit dem Unterschied, dass auch die staatliche Währung an diesem Wettbewerb teilnehmen darf.

Die real existierende Person Ermer interessiert hier nicht; nehmen wir ihn als Modellperson Ermer. Drei mögliche Erklärungen für Ermers Befürwortung von Geldschöpfung durch private Banken gibt es:

  1. Ermer gehört zu den ärmeren 90% der Gesellschaft, ist ahnungslos und weiß daher nicht, dass er draufzahlt;
  2. Ermer gehört zu den wohlhabendsten 10% der Gesellschaft und ist sich darüber im Klaren, dass er von dem Mindestreserve-Geldsystem profitiert;
  3. Ermer gehört zu den wohlhabendsten 10% der Gesellschaft, ist ahnungslos und profitiert dennoch.

Mit Erklärung Numero 3 befinden wir uns bei Politikern im Allgemeinen auf der sicheren Seite.

Was Herrn König betrifft so wissen wir nicht genau, was seiner Ansicht nach “totgeschwiegen” wird. Anknüpfen will er sicherlich an das verbreitete pelzige Gefühl im Volksmund, dass mit den Banken ‘etwas nicht ganz koscher/halal’ ist. Dies wiederum hat seinen wahren Kern in der recht simplen Tatsache, dass willkürlich einigen wenigen privaten Unternehmen (aka Banken; genauer: Geschäftsbanken) das Privileg der Geldschöpfung zuteil wird. Hiervon wird in der Tat — ob an Hochschulen oder in etablierten Zeitungen — auffällig wenig Aufhebens gemacht.

Zurück zu König, er verstrickt sich: Einerseits impliziert die Rede vom Totschweigen die Existenz eines Missstandes; andererseits will er eine staatliche Währung — vermutlich so etwas wie ein Nordstaaten-Euro nach dem Mindestreserve-System — um private Währungen ergänzen. Ergebnis? Steuern würden vermutlich in der staatlichen Mindestreserve-Währung bezahlt werden müssen, diese bliebe somit obligatorisch und der Missstand bestünde weiterhin. Zusätzlich dürften wir an der Grenze wieder Scheinchen wechseln, weiterhin dürften wir mit Bitcoins oder Chiemgauern experimentieren. Fein.

Zum Positiven wollen die also nichts ändern, haben aber wieder einmal das wohlfeile Gerücht gestreut, es werde in Sachen Finanzen etwas “totgeschwiegen”. Je diffuser desto besser. Bestimmt sind die Ausländer (faule Griechen!) schuld, gel?

AfD-FUD. Nächste Partei.

___________FDP

Die antwortenden FDP-Kandidaten halten private Banken-Geldschöpfung für kein Problem. Rein öffentliche Geldschöpfung  wäre für Frau Aschenberg-Dugnus  und Herrn Erdel „planwirtschaftlich“, ein „Risikofilter“ durch haftende Privatbanken würde dafür sorgen, dass über Kredite neu geschöpftes Geld effizient eingesetzt werde. Das „Atmen“ der Geldmenge durch Koppelung der Geldschöpfung an Kreditvergabe sei notwendig. Der Kandidat Schäffler möchte sogar einen freien Wettbewerb der Währungen, ähnlich wie König von der AfD. Wissing vertraut darauf, dass Banken-Geldschöpfung durch die von den Banken geforderten Sicherheiten an die wirtschaftliche Entwicklung gekoppelt sei. Dieses System sei dynamisch und stelle sehr schnell Geld dort bereit, wo es investiert werden kann, während alleinige Geldschöpfung durch die Zentralbank zu „planwirtschaftlich“ sei. Die Abschätzung der notwendigen Geldmenge durch die Zentralbank und schnelle Reaktionen auf ein sich änderndes Marktumfeld seien schwierig, und die Aufbewahrung von unbarem Vollgeld teurer als auf den heutigen Girokonten. Auch Geldanlagen sieht er im Vollgeldsystem erschwert. Den „Stresstest“ einer Systemumstellung möchte er nicht wagen.

Ha! Die FDP! Getreu dem westdeutschen Duktus antikommunistischer Buzzword-Compliance verwenden die liberalen Aschenberg-Dugnus und Erdel zunächst den Begriff “planwirtschaftlich”, ringen dem Leser damit immerhin ein mitleidig verzücktes lächeln ab.

Die FDP setzt dann alles auf den Neologismus “Risikofilter” — einen Filter, den sie durch “haftende Privatbanken” implementiert sieht.

Auf die empirisch evidente dysfunktionalität dieses “Risikofilter[s]” hingewiesen, würden unsere beiden Liberalen unter Verweis auf ihr Konzept der “haftende[n] Privatbanken” sicher entgegnen: “Weitere Rettungspakete für Banken WIRD ES MIT UNS NICHT GEBEN!”. Doch auch FDPler wissen, dass im Ernstfall stets das Steuersäckel haftet. Wegen der ‘Systemrelevanz’ der ‘betroffenen Geldhäuser’.

Es war ja auch nicht die Rede davon, in welcher Richtung und mit welcher Maschenweite der “Risikofilter” filtriert.

Das gegenwärtige System kann rein rechnerisch nicht dauerhaft funktionieren. Es vor die Wand fahren zu lassen, anstatt den weit milderen “Stresstest” einer Systemumstellung zu erwägen, ist schlicht verantwortungslos.

Ihr Finanzwesen

___________Linke

Für die LINKE glaubt Herr Troost nicht, dass das heutige System gut funktioniert, hält aber die derzeitige Technik der Geldschöpfungspraxis für legitim. Um eine bessere Kontrolle zu erreichen, strebt er die „Vergesellschaftung“ aller Banken an. Frau Pau betont zusätzlich, dass sich die Linke noch nicht abschließend über Vollgeld verständigt hat. Frau Gohlke erwähnt, dass die Linke direkte Kredite der EZB an Staaten fordert und eine bessere öffentliche Kontrolle der Geldschöpfung der Geschäftsbanken erreichen will. Dasselbe will Frau Wagenknecht, als Vorbild sieht sie dabei die Regulierung von Sparkassen/Genossenschaftsbanken. Frau Wawzyniak will private Banken ins öffentliche Eigentum übernehmen und eine öffentliche Kontrolle der Geldschöpfung.

Hier nun “Vergesellschaften”, ein Buzzword der Gegenseite. Die Linke will also die eine Rechtsform (e.g. Aktiengesellschaft) durch eine andere (Genossenschaft) ersetzen. Was sind Genossenschaften nicht für selbstlose und transparente Engelchen! Zinszahlungen gingen dann an die ‘Bosse der Genossen’, diese dürften dann entscheiden wohin wie viel neu geschöpften Geldes geschoben wird. Dasselbe in Rot.

Eine “Geldschöpfungspraxis” “legitim” zu nennen, obgleich sie selbst bei “besserer Kontrolle” zwangsläufig zu exponentiellem Schuldenwachstum führt, ist — um es höflich zu formulieren — mutig.

Frau Wawzyniak will a) Banken ins öffentliche Eigentum übernehmen und b) eine öffentliche Kontrolle der Geldschöpfung.
Über a) lässt sich streiten, es ist aber zunächst nebensächlich.
Bei b) bleibt unklar, was gemeint ist. Je nach Interpretation deckt die Aussage alles ab vom Status quo (Kontrolle im Sinne des Versuchs einer Beeinflussung der Schuldengeldschöpfung vermittels unwirksamer Mittel der Geldpolitik) bis zum Vollgeld (Kontrolle im Sinne von Ermittlung der nötigen Menge ungeschuldet zu schöpfenden Geldes).

___________SPD

Die SPD akzeptiert den derzeitigen Mechanismus der Geldschöpfung, weil die Zentralbank das System steuern könne. Frau Tack ist der Meinung, dass eine Umstellung auf 100%-Reserve zu einem Kollaps der Finanzmärkte führen würde, und kritisiert eine von ihr befürchtete enge Verzahnung von Regierung und Zentralbanken bei rein öffentlicher Geldschöpfung. Sie glaubt, über eine europäische Bankenaufsicht und ein Trennbankensystem eine ausreichende Kontrolle  zu erreichen. Auch ist die SPD für Volksabstimmungen auf Bundesebene, also auch über das Geldsystem.

Sicher, in vielerlei Hinsicht würde die Umstellung auf 100%-Reserve zu einem Kollaps der Finanzmärkte führen. Dies ist beabsichtigt. Ziel ist ein funktionierendes Tauschmittel, dass, wo nötig, vermittels einer Kombination von erspartem und Kredit auch mal größere Investitionen ermöglicht. Öffentlich finanzierte Großdaddelautomaten für spielsüchtige Schlipsträger fallen nicht in den Zuständigkeitsbereich von Geldsystemen.

Der zweite Einwand von Frau Tack, die befürchtete enge Verzahnung von Regierung und Zentralbanken bei rein öffentlicher Geldschöpfung, ist berechtigt. Er lässt sich aber entkräften.

Im Vollgeldsystem legen die Zentralbanken jährlich die Menge neuen Geldes fest, die Regierung übernimmt die Zuweisung — so wie sie auch jetzt schon ihre Steuereinnahmen verschiedenen Verwendungszwecken zuweist.

Vermieden werden muss — vermutlich der Kern von Frau Tacks Befürchtung — die regierungsseitige Beeinflussung der Geldmengenfestlegung. Urgroßmutters Erinnerung an die Hyperinflation lebt weiter.

Die Ermittlung der Geldmenge erfolgt rechnerisch anhand von Wirtschaftsdaten des Vorjahres. Vereinfacht: Lag die Inflation über dem Zielwert, so wird die Geldmenge nach unten korrigiert; lag sie darunter, so wird nach oben korrigiert. Anstehende Wahlen oder Eroberungsfeldzüge gehen nicht in diese Berechnung mit ein. Uneingeschränkte Transparenz sollte in der Lage sein, hierbei Missbrauch zu verhindern.

Ein Hinweis zur Diskussion von Reformen: Ein vorgeschlagenes System sollte nicht mit einem erdachten makellosen Ideal verglichen werden sondern mit konkurrierenden Reformvorschlägen und dem Status quo.

Status quo:
Die Geldschöpfung liegt in zweierlei Hinsicht in der Hand privater Banken: Diese entscheiden über Menge (zu viel) und Zuweisung  (e.g. Rüstungsindustrie) unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Vollgeldsystem:
Zentralbanken ermitteln vermittels publizierter Rohdaten und Rechenmethoden die nötige Geldmenge, das gewählte Parlament einigt sich in öffentlichen Debatten auf die Zuweisung des Geldes.

Na, wo liegt das kleinere Übel?

Europäische Bankenaufsicht und Trennbankensystem (“ausreichende Kontrolle”) sind Reformen, die das Mindestreserve-Geldsystem unangetastet weiterbestehen lassen, also die ihm inhärenten Probleme nicht lösen werden.

Nebenbei: Bloß keine Volksabstimmungen! Es will und kann nicht jeder Spezialist für alles sein.

___________Grüne

Für die GRÜNEN wünscht sich Herr Nabert, dass Vollgeld mehr Zuspruch aus der Wissenschaft bekommt, ansonsten könne er nicht dafür eintreten. Die Wirkungen seien noch nicht genug ausgelotet, es brauche dafür eine exakte, analytische Darstellung. Herr Schick hält die „flexible“ Geldschöpfung für notwendig. Bei starrer Geldmenge (die er bei Vollgeld zu sehen glaubt) sei ähnlich wie beim Goldstandard die Verarmung der Gesellschaft zu befürchten. „Flexible Finanzintermediation“ habe zentralen Stellenwert für unseren Wohlstand, die Kreditgeldschöpfung solle aber nur für die Realwirtschaft erfolgen. Bei Vollgeld sei die seiner Meinung nach staatliche Kontrolle von Kreditvergaben nicht gut, die Notenbank habe eine zu starke Stellung und sei deshalb korruptionsgefährdet, und eine produktive Verwendung von Vollgeld-Krediten sei nicht gewährleistet.  Der Vollgeld-Ansatz sei interessant, aber derzeit nicht anschlussfähig. Frau Paus hält das zweistufige Bankensystem für ein konstitutives Element unserer Gesellschaft. Eine Änderung wäre für sie ein Jahrzehnte-Projekt. Kurzfristig hält sie eine Schuldenbremse für Banken notwendig.  Vom Vollgeld-Ansatz ist sie nicht überzeugt. Auch Herr Gastel hält private Geldschöpfung nicht für prinzipiell problematisch, schließt sich ansonsten der Argumentation von Herrn Schick an. Eine Stellungnahme der Arbeitsgruppe Wirtschaft/Finanzen der Grünen zu Vollgeld sei in Vorbereitung.

Herr Nabert hat Recht, der Zuspruch aus der Wissenschaft ist noch zu gering. Andererseits ist das Konzept weder neu noch unbekannt: In den 1930ger Jahren ist es in ähnlicher Form als Chicago Plan aufgekommen; der IWF hat im August 2012 ein Arbeitspapier zum Vollgeldsystem publiziert das ein positives Resümee zieht; das Buch Modernising Money von Andrew Jackson und Ben Dyson ist eine exakte, analytische Darstellung — Kurzversionen des Buches gibt es für Normalsterbliche und für Ökonomen; im Dezember 2012 hat das isländische Althing sich des Themas angenommen; bis in den Deutschlandfunk und die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist das Anliegen vorgedrungen.

Dr. Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Fraktion im Bundestag, spricht fälschlicherweise von einer “starren Geldmenge” und deren Folgen im Vollgeldsystem. Die Geldmenge wäre nicht starr, sie würde regelmäßig dem Bedarf angepasst werden. Ein rechnerischer Vorgang, der eine weitaus adäquatere Geldmengensteuerung erlaubt als es das gegenwärtige quasi-religiöse Hoffen auf eine ‘Beruhigung’ der ‘Märkte’ zulässt.

Neu geschöpftes Geld ginge zum Teil ungeschuldet an die Regierung, diese könnte es dann — wie Steuergelder — zu den im Parlament ausgehandelten Zwecken verwenden; zum Teil als Kredite an Unternehmen. Eine Erklärung, weshalb diese Form der Kreditvergabe in stärkerem Maße “Korruptionsgefährdet” sei und weshalb eine “produktive Verwendung von Vollgeld-Krediten […] nicht gewährleistet” sei, bleibt Herr Schick uns Schuldig. Kreditvergabe durch Banken erfolgt unter Ausschluss der Öffentlichkeit, ohne jede Rechenschaftspflicht und überwiegend in den Immobilien- und Investmentsektor. Eben nicht, wie Herr Schick es wünscht, in “die Realwirtschaft”. Zur Beurteilung der Korruptionsgefahr sei auch auf den Vergleich von Status quo und Vollgeldsystem in obiger Antwort auf die SPD verwiesen.

Die Termini „flexible Finanzintermediation“ (irreführender Euphemismus) und “anschlussfähig” (sinnfrei ohne Bezug) seien hier zur Wahrung der Pietät nicht weiter kommentiert.

Frau Paus lässt offen, ob sie auch die mit dem “zweistufigen Bankensystem” zwangsläufig einhergehende hoffnungslose Überschuldung für ein “konstituierendes Element unserer Gesellschaft” hält. Der Eindruck, es sei ein solches, drängt sich ja zugegebenermaßen bisweilen auf.

Sie weist — leider nicht ganz unrealistisch — darauf hin, eine Änderung sei ein “Jahrzehnte-Projekt”, strebt aber offenbar auch keine an; zumindest nicht in Richtung eines Vollgeld-Systems. Dass das gegenwärtige Geldsystem eine “Schuldenbremse” ausschließt hält sie nicht davon ab, eine solche “kurzfristig” zu fordern.

Neulich (13. – 16. September 2013) haben die Grünen von England und Wales sich auf Geldschöpfung durch die öffentliche Hand und auf Beendigung des Mindestreserve-Systems als Parteiziele verständigt. Trendforscher abuVeliki empfiehlt: Lasst euch nicht abhängen, nachmachen lohnt sich!

___________CSU

Für die CSU zeigt Herr Göppel Interesse am Vollgeld, braucht aber noch mehr Informationen dazu. Er interessiert sich auch für das IWF-Gutachten zu 100%-Geld.

Herr Göppel, zunächst ein aufrichtiges Dankeschön für ihre glaubwürdige Interessenbekundung (ehrlich, hier keine Ironie). Im ersten Absatz der Antwort auf die Reaktion der Grünen ist einiger Lesestoff verlinkt, direkt zum IWF-Gutachten geht es hier.

___________CDU

Für die CDU bezieht sich Peter Hintze auf die Ablehnung einer Petition von Marian Löhr aus dem Jahr 2011 zu 100%-Geld durch den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags. Die damalige Begründung führt aus, dass durch die Vollgeldreform eine Kreditklemme zu befürchten sei, und dass auch die Existenz der Geschäftsbanken und die Funktion des Zahlungsverkehrs gefährdet sei. Die Reform führe angeblich zu einer „staatlichen Bankenwirtschaft“, die im Widerspruch zur sozialen Marktwirtschaft stehe.  Die Herren Flossbach, Wadephul und Kampeter beziehen sich in ihrer Ablehnung von Vollgeld auf eine Stellungnahme des Finanzministeriums auf dem Jahr 2013. Die dort genannten Ablehnungsgründe sind:  Die Reform führe angeblich zur Enteignung der Halter von Staatsanleihen, sie bringe eine Einschränkung der Effizienz der Kreditvergabe von Geschäftsbanken an Unternehmen, sie gefährde die Unabhängigkeit der Zentralbank, da permanente Verhandlungen der Unternehmen mit der Zentralbank zur Geldausstattung der Wirtschaft stattfinden würden, an denen sich schließlich auch die Regierung beteiligen müsste. Mit den vorhandenen Instrumenten könnten die Zentralbanken die Geldmenge und  das Preisniveau wirksam kontrollieren.  Herr Meister hat eine eigene Stellungnahme geschrieben, in der er betont, dass die Geldschöpfung nur eines von mehreren Elementen gewesen sei, die die Finanzkrise ausgelöst haben. Er meint, dass im Vollgeldsystem die Geldpolitik von der Zentralbank auf die Regierung übertragen werde und nur durch diesen „Trick“ die Staatsschuld verringert werde. Die Neuordnung von Institutionen, die sich mit Geldpolitik befassen, scheint ihm unklar. Auch befürchtet er bei Vollgeld eine Kreditklemme insbesondere für mittelständische Unternehmen. Sein Weg zur Krisenbewältigung ist die Sanierung der Staatshaushalte inkl. Schuldenbremse für die Zukunft. Er beobachte aber die wissenschaftliche Diskussion zum Vollgeld genau, um die Folgen zu analysieren.

Zur befürchteten “Kreditklemme”: In einem zu über 90% auf Krediten basierenden Geldsystem mag eine Kreditklemme in der Tat ein Problem sein. Im Vollgeldsystem geht jedoch nun eben darum, die gegenwärtig schuldenbasierte Geldmenge durch nicht geschuldetes Geld zu ersetzen, somit den Bedarf an Krediten drastisch zu reduzieren. Kredite würden dann nicht mehr Bedingung für die Existenz von Geld sein sondern nur noch (neben erspartem) ein Mittel für die Finanzierung von Investitionen darstellen.

In dem gegenwärtigen System schwankt die Geldmenge weitgehend unkontrolliert je nach Kreditvergabelaune der Banken. Diese folgt kaum dem Bedarf von Wirtschaft und Gesellschaft, vielmehr folgt die Lage der Realwirtschaft folgt dem Boom- und Krisenzyklus der Finanzmärkte. In einem Vollgeldsystem würden diese Schwankungen durch die jährliche Neuberechnung der zu schöpfenden Geldmenge weit geringer und bedarfsgerechter ausfallen.

Zur Existenzgefährdung der Geschäftsbanken und zu der behaupteten “staatlichen Bankenwirtschaft” sei auf die obigen Antworten an die Piraten und die SPD verwiesen.

“Effizienz der Kreditvergabe von Geschäftsbanken an Unternehmen” ist auch eine schöne Umschreibung für die Vorteile, die private Banken durch das ihnen zuerkannte Privileg zur Geldschöpfung haben. Eine Aufrechterhaltung dieses Privilegs ist weder Sinnvoll noch machbar, sie führt zu einer gesamtgesellschaftlich exponentiell steigenden Schuldenlast mit einhergehendem Zwang zu Wachstum. Vollgeld ist beabsichtigterweise also ein “Trick”, wenn sie so wollen, um die Schuldenlast von öffentlichen Haushalten, Privatpersonen und Unternehmen drastisch zu reduzieren.

Zum Verhältnis von Regierung und Zentralbank: S.o. (SPD).

Wunderschön ist auch “insbesondere für mittelständische Unternehmen”. Klingt nach Wahlkampf, LOL.

Die Behauptung, dass Zentralbanken mit “den vorhandenen Instrumenten […] die Geldmenge und das Preisniveau wirksam kontrollieren” können, ist Unfug. Die Instrumente sind im Wesentlichen der geforderte Prozentsatz an Mindestreserve sowie die Menge der Geldbasis.
Zum Mindestreservesatz: Er wurde, dem geldsystembedingten Sachzwang steigender Verschuldung folgend, stets nur herabgesetzt; liegt in der Eurozone bei nunmehr einem Prozent.
Zur Geldbasis: Laut dem IWF (S. 11) — beileibe nicht bekannt für antikapitalistische Verschwörungstheorien — folgt die Geldbasis der Nachfrage der Banken, nicht umgekehrt. Sie fungiert somit nicht als Steuerungsinstrument.

Abschließend noch zur “Sanierung der Staatshaushalte inkl. Schuldenbremse” als Mittel “zur Krisenbewältigung”: Unter dem gegenwärtigen System ist alles in der Realwirtschaft zirkulierende Geld (außer den knapp 10% Bargeld) geschuldet. Eine Verringerung der Schulden führt somit zu Geldmengenkontraktion und Rezession. Eine Vollgeldreform würde also eine funktionierende Wirtschaft ohne Überschuldung überhaupt erst ermöglichen.

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